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Die Operation – Chirurgische Verfahren

Die Operation – Chirurgische Verfahren

Entfernen oder Formen?

Die entscheidende Maßnahme bei der Operation ist nicht die großzügige Entnahme von „deformierten“ Rippensegmenten, wie sie früher bei fast allen Verfahren üblich war, sondern die Hebung der eingezogenen Brustwand. Diese kann bei noch weichen Rippenknorpeln durch einfache Biegung und dem Einsatz kräftiger Metallbügel (Zahnspangenkonzept, „MIRPE“) gelingen. Bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen sind zusätzlich die Mobilisierung der Brustwand durch Beseitigung „retrahierender“ Strukturen (z.B. Muskelansätze, Bänder) und evtl. gezielte Einkerbungen der Rippenknorpel erforderlich. Die Korrektur gelingt in sämtlichen Altersgruppen von kleinen Zugängen aus, die abhängig vom bevorzugten Operationsverfahren vom unteren Brustbein (MEK) oder von der seitlichen Brustwand (MIRPE) erfolgen.

Direkt oder indirekt?

Die operativen Korrekturverfahren unterscheiden sich grundsätzlich in Methoden mit einem direkten, unmittelbaren Zugang zu den Strukturen des Brustkorb-Stützgewebes

  • konventionelle, offene Korrekturverfahren (z.B. nach Ravitch, Rehbein, Sulamaa, Hegemann u.v.a.);
  • minimalisiertes offenes Verfahren (MEK nach Hümmer)

und denen mit indirekter Beeinflussung der Brustwandform

  • Minimally invasive repair of pectus excavatum (MIRPE nach Nuss)
  • rein endoskopische Korrekturverfahren
  • offen oder endoskopisch eingebrachte Implantate

Große oder kleine Schnitte?

Die allgemeine Entwicklung berücksichtigt heute in zunehmendem Maße auch kosmetische Aspekte, daher geht der Trend zu Eingriffen mit möglichst kleiner Schnittführung. Die herkömmlichen offenen Verfahren finden heute kaum mehr Anwendung.
Keine Deformität gleicht der anderen, daher sind individuelle Faktoren entscheidend für die Verfahrenswahl. Unser Brustwandzentrum bietet daher neben den minimalisierten offenen auch die indirekten Verfahren mit den entsprechenden Implantaten bzw. Kombinationen hiervon an, um jeder Situation gerecht zu werden. Auch plastisch-chirurgische Zusatzeingriffe können simultan oder zeitversetzt an unserem Hause durchgeführt werden.
Welches Verfahren in Ihrem Fall zu empfehlen ist, wird Ihnen der Operateur nach den Ergebnissen der Voruntersuchungen, dem Stand der Wissenschaft und seiner persönlichen Erfahrung erläutern.

Vorbereitung und Aufklärung der Patienten

Zur exakten anatomischen Beurteilung der Deformierung sind äußere und innere Messpunkte definiert. Die äußeren Messverfahren sind mit geringem Aufwand z. B. in der Sprechstunde durchführbar und eignen sich besonders für die Verlaufsuntersuchungen vor, während und nach der Behandlung. Definierte äußere Meßwerte sind Grundlage des „Trichterbrustindex“ (TBI; nach Hümmer). Bei der Vorbereitung zur Korrekturoperation sind zusätzliche Schnittbilduntersuchungen des Brustkorbes unverzichtbar. Um Röntgenstrahlen zu vermeiden, werden diese heute in MRT-Technik durchgeführt. Die so ermittelten inneren Messpunkte fließen in den Haller-Index (HI) ein und korrelieren eng mit dem TBI. Zudem läßt sich mit dem MRT ein Bezug zu den Brustorganen und den großen Blutgefäßen herstellen.

In den Lungenfunktionstests (Spirometrie, Bodyplethysmographie) werden Veränderungen untersucht, die durch Verziehungen und Einengungen der Atemwege und der Lunge entstehen. Bestandteile der Herzuntersuchung sind neben dem EKG die Untersuchung der Herzhöhlen und deren Blutströmung mit dem Ultraschall (Echokardiographie). Bei speziellen Fragestellungen und belastungsabhängigen Beschwerden können diese durch Funktionsuntersuchungen unter körperlicher Belastung (Belastungs-EKG, Spiroergometrie) ergänzt werden. Bei einer Trichterbrust werden dabei nicht selten Funktionsstörungen der Herzklappen (z.B. Mitralklappenvorfall, Trikuspidalklappenverengung) erkannt, die auch eine häufig geäußerte Konditionsschwäche erklären können.

Weit weniger als die Hälfte der bei uns untersuchten Patienten bedürfen überhaupt einer Operation. Wir beraten Sie daher auch völlig unverbindlich über alle in Frage kommenden Alternativen.

Falls eine Korrekturoperation für Sie in Betracht kommt, erhalten Sie bereits in der Sprechstunde nach dem ersten persönlichen Gespräch schriftliches Informationsmaterial mit den wichtigsten Informationen, über die Sie vor einem chirurgischen Eingriff verfügen müssen. Nur in Kenntnis der relevanten Behandlungsmöglichkeiten, nach Aufklärung über die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs, Erläuterung der vorgeschlagenen Operation und Erfolgsaussichten, aber auch der Risiken und notwendigen Maßnahmen (z.B. infolge einiger Wochen begrenzter Belastbarkeit) können Sie sich rechtswirksam für oder gegen eine Operation entscheiden.

Sie haben die Möglichkeit, Aufklärungsformulare, wie sie in der Klinik zur Krankenblatt-Dokumentation und Einverständniserklärung verwendet werden, auch selbst zu bestellen/auszudrucken unter
www.proCompliance.de

Informationen und Tipps zur Vor- und Nachsorge

Diagnostik, Untersuchungsbefunde: wo wird was gemacht?

Bitte bringen Sie bei Ihrem ersten Sprechstundentermin alle relevanten und verfügbaren Befunde (s.u.) mit. Falls Sie eine weite Anreise haben, können Sie uns auch gerne Digitalfotografien (Oberkörper von vorne und schräg seitlich von beiden Seiten) vorab per Email und verfügbare Röntgen-/MRT-/CT-Bilder per Post zusenden. Wir können dann ggf. weitere Untersuchungen bereits im Vorfeld empfehlen, Sie dann gezielter beraten und Ihnen erneute Vorstellungen ersparen.

Hausarzt: erstellt Überweisungsschein für Ihren Besuch der Sprechstunde, händigt Ihnen alle relevanten Vorbefunde aus, z.B. aktuelle Blutbefunde, Röntgenbilder, EKG, Lungenfunktionstests; Arztbriefe, OP-Berichte über relevante Voroperationen, z.B. angeborene Fehlbildungen des Herzens, der großen Gefäße, der Lunge und des Zwerchfells.

Bei bestätigter Operationsindikation: Einweisungsschein zur Krankenhausbehandlung.

Internist/Kardiologe: EKG, Belastungs-EKG (Ergometrie), Echokardiografie.

Internist/Pulmonologe: Lungenfunktionstests; bei speziellen Fragestellungen mit Bodyplethysmographie, Spiroergometrie; Aushändigung relevanter Röntgenbilder.

Orthopäde: Abklärung bei begleitenden Rückenbeschwerden, Haltungsschwäche, bekannten Verkrümmungen der Wirbelsäule; Aushändigung entsprechender Röntgenbilder; Einleitung und Überwachung einer gezielten Physiotherapie.

Physiotherapeut/Osteopathie: gezielte Physiotherapie bei Haltungsschwäche, Verspannungen, Blockaden, Tipps zum Muskelaufbautraining, allgemeinen Konditionstraining, evtl. in Zusammenarbeit mit einem medizinisch orientierten Fitnessstudio.

Diese Maßnahmen sind nicht nur zur Operationsvorbereitung zu empfehlen und auch mit einer Operation nicht beendet-im Gegenteil. Bei nichtoperativer Behandlung wie auch zur Vermeidung von Rückfällen nach operativer Brustwandkorrektur sollten die Maßnahmen zur Kräftigung der Rumpfmskulatur gezielt und konsequent eingesetzt werden. Sobald es nach der Operation wieder möglich ist, sollte das Muskel- und Konditionstraining intensiv fortgesetzt werden.

In jedem Fall, ob mit oder ohne Operation, wird die Behandlungsempfehlung eine aktive und ausdauernde Mitarbeit des Patienten erfordern. Die „operativen“ oder „konservativen“ Behandlungsverfahren stellen somit keine Gegensätze dar, sondern ergänzen sich und werden daher stets gemeinsam konzipiert und in jedem Stadium der Behandlung aufeinander abgestimmt.

Merkblätter hierzu erhalten Sie auch in unserer Sprechstunde.