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Fehlbildungen der Brustwand – was versteht man darunter und was sind die Ursachen? Welche Beschwerden treten auf?

Fehlbildungen der Brustwand – was versteht man darunter und was sind die Ursachen? Welche Beschwerden treten auf?

Die häufigsten Formen:

Trichterbrust (Pectus excavatum, funnel chest)  nennt man die mehr oder weniger trichterförmige Einziehung eines Teils der vorderen Brustwand, die symmetrisch oder asymmetrisch ausgebildet sein kann. Der tiefste Punkt des Trichters entspricht meist dem unteren Ende des Brustbeins, das die Brustorgane, insbesondere das Herz verdrängen kann. Die Form des Brustbeins kann dabei flach, verstärkt gewölbt oder schraubenförmig gedreht sein. Als Ausgangspunkt der Deformierung sind jedoch die relativ weichen Rippenknorpel-Segmente neben dem Brustbein zu sehen.

Kielbrust (Pectus carinatum, pigeon chest) nennt man die kiel- oder dachfirstartige Vorwölbung der vorderen Brustwand, die ebenfalls meist asymmetrisch konfiguriert ist. Obwohl hier theoretisch mehr Raum im Brustkorb für Herz und Lunge zur Verfügung steht, kann dieser nicht effektiv genutzt werden. Folglich sind neben den körperlichen Beschwerden und der psychischen Belastung durch eine äußerlich sehr auffällige Brustwandform auch Einschränkungen der Lungenfunktion zu überprüfen. Eine Kielbrust lässt sich in den weniger ausgeprägten Fällen durch individuell angepasste Kompressionsspangen verbessern. Die operative Korrektur besteht aus einer gezielten Entnahme von Rippenknorpelsegmenten mit oder ohne Einkerbung des Brustbeins, in manchen Fällen erfolgt eine Stabilisierung durch Metallbügel.

Bei kombinierter Kiel-Trichterbrust sind wiederum 2 Formen zu unterscheiden. Bei der axialen Form ist das Brustbein um die vertikale Achse verdreht. Die eine Brustwandhälfte sinkt nach innen, die andere wölbt sich nach außen. Bei der transversalen Form ist das Brustbein horizontal gewölbt, in der oberen Hälfte zusammen mit den Rippenansätzen vorgebuckelt, während das untere Ende trichterförmig eingezogen erscheint. Eine Sonderform dieser Gruppe stellt die „Stierhorndeformität“ (Pectus arcuatum; horns of steer depression) dar, bei der die torbogenförmige Vorwölbung des oberen Brustbeins auf einer Verdickung infolge einer Störung des Längenwachstums beruht. Diese komplexen Formen erfordern ein individuell angepasstes minimalisiertes offenes Verfahren und eine Stabilisierung mit quer und auch gelegentlich längs ins Brustbein eingebrachten „intramedullären“ Metallschienen.

Rippenbogenvorsprünge (flaring ribs) und andere Deformierungen der Rippenbögen kommen zusätzlich oder als isolierte Fehlbildung vor. Sie können bei Bedarf simultan oder zeitversetzt operativ oder nichtoperativ korrigiert werden.

 

Entstehung einer Brustwanddeformität:

Erbliche Faktoren (Störung im Knorpelstoffwechsel, abnorme Formbarkeit der Rippenknorpel) und mechanische Kräfte sind für die Entstehung der Trichterbrust in der Mehrzahl der Fälle verantwortlich. Die Untersuchung von Spurenelementen (z.B. Zink) und die Elektronenmikroskopie ergeben charakteristische Veränderungen des Knorpels. Auch wenn ein „Trichterbrust-Genom“ bisher noch nicht entschlüsselt wurde, so treten bei gewissen genetischen Erkrankungen (z. B. Marfan-Syndrom) Brustwanddeformitäten gehäuft auf. Operationen im Säuglings- und Kleinkindalter, speziell Herz-, Zwerchfell- oder Lungenoperationen, können ebenfalls zu Wachstumsstörungen des Brustkorbs führen.
Am vorderen Brustkorb verläuft die Verbindung der Rippen zum Brustbein über Knorpelsegmente, während am Rücken jeweils doppelte Gelenkverbindungen zwischen Rippen und Wirbelsäule bestehen. Diese ermöglichen die Hebung des Brustkorbes beim tiefen Einatmen. Deformierungen der vorderen Brustwand und des Rückens können daher miteinander korrespondieren, Schmerzen am Brustbein wie auch im Rücken verursachen und dabei die Atemmechanik behindern. Andererseits können auch Haltungsschwächen (Kyphosen) oder Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen) zu einer Fehlbelastung der Brustwand führen und die Entwicklung einer Deformierung begünstigen. Dadurch ergeben sich im Kindesalter Therapieansätze für eine gezielte Gymnastik, im Jugendalter für ein entsprechendes Haltungs- und Krafttraining.

 

Welche körperlichen Symptome können auftreten?

Kinder und Jugendliche sind auch bei ausgeprägter Deformierung meist noch beschwerdefrei. Auch der seelische Leidensdruck infolge einer Deformierung beginnt zumeist erst ab dem 12. bis 15. Lebensjahr. Daher besteht vor der Pubertät selten die Notwendigkeit zur Behandlung, eher sollten zunächst die nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden. Auch sollten Jugendliche alt genug sein, um die Maßnahmen selbst einschätzen zu können und bei der Entscheidung mitzuwirken. Wir werden sie zu dem Eingriff niemals überreden oder diesen gar gegen ihren Willen durchführen. Im Kindesalter ist die operative Behandlung einer Trichterbrust ohnehin nur in Ausnahmefällen indiziert. Wenn jemand das Gegenteil behauptet, verweisen Sie ihn bitte an uns. Wir beraten Sie gerne.

Belastungsabhängige körperliche Beschwerden, z.B. Konditionsschwäche, Herzjagen, Engegefühl oder Atemnot häufen sich hingegen bei Erwachsenen, wenn die Brustwand starrer wird und andere Faktoren oder Gesundheitsstörungen hinzukommen. Durch die Einengung des Brustraums hat das Herz wenig Platz, um bei Bedarf sein Schlagvolumen zu erhöhen. Daher muss es bei Belastung schneller pumpen, um den Körper mit Blut/Sauerstoff zu versorgen. Schnelle Erschöpfbarkeit kann die Folge sein. Auch das Lungenvolumen kann eingeschränkt sein. In der Lungenfunktionsuntersuchung zeigt sich eine restriktive Ventilationsstörung. Im Vordergrund steht allerdings die eingeschränkte Regulierung der Blutzirkulation.

Die Fehlstellung der Rippen bedingt ferner eine Fehlbelastung der Wirbelsäule, diese hat gehäufte Rückenschmerzen zur Folge. Keineswegs alle Rückenschmerzen sind jedoch durch eine bestehende Brustwanddeformität erklärbar. Daher sollte vor einer Korrekturoperation auch eine sorgfältige orthopädische und ggf. auch internistische und neurologische Untersuchung erfolgen.