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Häufige Fragen

Häufige Fragen

Die folgenden Fragen beruhen auf einer langjährigen Korrespondenz mit einer Vielzahl von Patienten aus aller Welt sowie mit deren privaten und gesetzlichen Kostenträgern:

In welchem Alter sollte operiert werden? Haben wir den optimalen Beginn der Behandlung bereits versäumt?

Eine operative Korrektur sollte im Pubertätsalter, zum Ende des Knochenwachstums hin erfolgen. Brustwandkorrekturen sind aber auch im jungen Erwachsenenalter, bei entsprechenden Beschwerden auch im 3. und 4. Lebensjahrzehnt noch möglich. Operationstechnisch gesehen eignet sich die MEK nach Hümmer für alle Lebensabschnitte. Eigene Erfahrungen liegen vor bis zum Ende des 5. Lebensjahrzehnts.  Dasselbe gilt für Wiederholungseingriffe. Die MIRPE kommt bevorzugt bei Kindern bis zur Pubertät bzw. Patienten mit sehr weicher Brustwand zum Einsatz. Eine nicht-invasive Behandlung (Saugglocke, Kompressionsspange) sollte analog hierzu 1-2 Jahre vor der Pubertät beginnen, sofern die Einsicht in die Behandlung besteht und diese konsequent durchführbar ist.

Welche Voraussetzungen sollte eine Klinik besitzen? Brustwandkorrekturen sind keine Bagatelloperationen und sollten daher unabhängig von der bevorzugten Methode nur in Kliniken mit umfangreicher Erfahrung (unterschiedliche verfügbare Behandlungsmethoden, hohe Operationsfrequenz) und persönlicher Routine der Operateure, der Anästhesisten und des Pflegepersonals vorgenommen werden.

Wie viele Eingriffe hat der Arzt persönlich durchgeführt? Es gibt wenige Chirurgen, die mehr als 1.000 Brustwandkorrekturen ausgeführt haben. Ein erfahrener Operateur sollte während der letzten 10 Jahre wenigstens einige Hundert vergleichbare Eingriffe selbständig durchgeführt oder jüngeren Ärzten assistiert haben, damit er auch erschwerende Faktoren erkennt und unerwartete Situationen sicher beherrscht.

Welche Voruntersuchungen sind erforderlich? Schnittbildaufnahmen (CT, MRT) des Brustkorbes. Lungenfunktionstests, EKG in Ruhe und ggf. unter Belastung, möglichst auch Echokardiographie, ferner die vor größeren Operationen übliche Labordiagnostik: Elektrolyte, Blutbild, Gerinnung, HIV, Hepatitis. Falls diese nicht vorliegen, bzw. nicht aktuell sind, werden sie am Vortag der Operation in der Klinik durchgeführt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten/Alternativen gibt es? Die Ärztin/der Arzt wird Sie über gängige Behandlungsverfahren informieren, die für Sie grundsätzlich in Frage kommen und für die ausreichende Erfahrungen und wissenschaftliche Daten vorliegen.

Wie wird die Operation durchgeführt? Die Ärztin/der Arzt wird Ihnen in der Sprechstunde die Technik der geplanten Operation detailliert beschreiben. Dazu gehören Schnittführung (Hautschnitt), Maßnahmen zur Mobilisierung und Stabilisierung der Brustwand, mögliche Abweichungen bei den häufigeren Ausnahmesituationen.

Ist die Operation aus gesundheitlichen Gründen erforderlich (sog. „medizinische Indikation“)? Das ist der Fall, wenn die Brustwanddeformierung den Gesundheitszustand und/oder die körperliche Leistungsfähigkeit eindeutig beeinträchtigt. Eine psychosoziale Beeinträchtigung liegt vor, wenn durch den entstellenden Charakter der Deformität wesentliche Aspekte des Sozialverhaltens gestört sind. Eine ausschließlich seelische Belastung gilt hingegen nach der Definition der deutschen Krankenversicherungen nicht als Gesundheitsstörung, der Eingriff in solchen Fällen als „nicht indiziert“.

Kann der Eingriff auch aus ästhetischen Gründen durchgeführt werden? Bei rein ästhetisch motiviertem Operationswunsch („Schönheitschirurgie“) kann der Eingriff auf ausdrücklichen Wunsch des volljährigen Patienten unter gewissen Voraussetzungen dennoch durchgeführt werden. Zuvor muss in diesem Fall eine besonders intensive Risikoaufklärung über alle denkbaren Komplikationen und notwendigen Folgen durchgeführt werden. Der voll geschäftsfähige Patient muss sich auch darüber klar sein, dass er die Kosten nicht nur für den Eingriff selbst, sondern auch für mögliche Folgeoperationen z.B. bei Komplikationen selbst tragen muss.

Welche Risiken bestehen bei der Behandlung? Zu unterscheiden ist zwischen „allgemeinen“ Risiken einer jeden Operation (z.B. Wundheilungsstörung), die aus rechtlicher Sicht keiner Aufklärung bedürfen, und den „spezifischen“ Risiken einer bestimmten Behandlungsmethode, über die Sie die Ärztin/der Arzt im Aufklärungsgespräch nach bestem Wissen und Gewissen informiert. Sie haben die Möglichkeit, Aufklärungsformulare, wie sie in der Klinik zur Krankenblatt-Dokumentation und Einverständniserklärung verwendet werden, auch selbst zu bestellen/auszudrucken unter www.proCompliance.de

Verletzungen der Brustorgane? – Nebenverletzungen an Herz. Lungen, Leber, Magen wurden bei „minmal invasiver Technik“ (MIRPE nach Nuss) in Einzelfällen mitgeteilt. – Bei der MEK nach Hümmer kamen sie bisher bei primären Brustwandkorrekturen und auch bei Wiederholungseingriffen nicht vor. – Ein erhöhtes Risiko besteht prinzipiell bei schweren Vernarbungen hinter dem Brustbein und speziell nach Herzoperationen. In diesen Fällen sollte der Eingriff mit herzchirurgischem Hintergrund erfolgen.

Sind Bluttransfusionen notwendig? – Bei den aktuellen Behandlungsverfahren ist mit der Notwendigkeit von Blutübertragungen nur noch sehr selten (< 1 Prozent) zu rechnen. Ganz auszuschließen sind sie jedoch nicht. Durch Fremdblut oder Blutbestandteile können extrem selten schwerwiegende Virus-Infektionskrankheiten (z.B. Hepatitis, AIDS, BSE) übertragen werden. Diese sind evtl. erst mehrere Wochen später nachweisbar (Blutkontrollen!).

Infektion, Wundheilung, Narben? – Störungen der Wundheilung (z.B. Aufplatzen der Naht, Nässen der Wunde, sog. Fisteln) treten innerhalb der ersten 4 Wochen nicht ganz selten auf (3–4%), zumeist handelt es sich um Naht- oder Metallunverträglichkeiten oder Durchblutungsstörungen. Bakterien (Wundinfektion durch Krankheitserreger) spielen selten eine ursächliche Rolle, können jedoch nach Aufplatzen einer Wunde von der Körperoberfläche einwandern. Eine wesentliche Rolle spielen mechanische Faktoren (zu frühe/zu starke und inadäquate körperliche Belastung) und patienteneigene Störungen (z.B. schlechte Heilungstendenz bei Fehlen bestimmter Gerinnungsfaktoren, Medikamente, Rauchen). Fast immer lässt sich eine derartige Störung beherrschen, wenn sie rechtzeitig behandelt wird; die Behandlung kann jedoch langwierig und das Ergebnis eine störende Narbe sein. – Überschießende Narben (sog. Keloid) sind jedoch eher durch eine Veranlagung des Patienten bedingt und treten auch bei normalem Heilungsverlauf vereinzelt auf.

Schwere Infektionen? – Tief reichende Infektionen bis hin zur bakteriellen Entzündung des Mittelfell- und Rippenfellraumes und Blutvergiftung werden seit Einführung der vorbeugenden Antibiotikagabe nur noch außerordentlich selten beobachtet, stellen ggf. aber schwere Komplikationen dar. Mögliche Folgen: intensivmedizinische Behandlung, operative Drainage/Spülung, Ausräumung von Infektionsherden, vorzeitige Metallentfernung, in der Folge möglicher Rückfall der Deformierung.

Nebenwirkungen von Fremdmaterial/Metallimplantaten? – Edelstahl hat die besten mechanischen Eigenschaften, kann jedoch wegen einer Nickel-Komponente vereinzelt allergische Reaktionen hervorrufen. Bei bekannter Allergie-Neigung werden daher Titanbügel verwendet, die seltener Unverträglichkeiten hervorrufen. Die Unverträglichkeit kann sich äußern in Reizergüssen im Gewebe und Rippenfellraum, auch zur Lockerung des Metalls, zu Schmerzen und Wundheilungsstörungen führen.

Schmerzen nach der Operation? – In aller Regel besteht 2–3 Tage lang ein hoher Schmerzmittelbedarf. Zum Zeitpunkt der Klinikentlassung/nach ca. 1 Woche benötigen die wenigsten Patienten noch regelmäßig Schmerzmittel.– Sehr selten bei Kindern, jedoch bei bis zu 10% der Erwachsenen besteht ein erhöhter/längerer Schmerzmittelbedarf, insbesondere nach vorausgehender Schmerzmittelbehandlung (z.B. wegen einer Wirbelsäulenerkrankung), bei Gewöhnung an Drogen/Medikamente und bei speziellen psychischen Bedingungen.

Rückenschmerzen: Unvermeidlich sind schmerzhafte Muskelverspannungen meist nur in den ersten Wochen nach der Operation, die auf physikalische Mittel (Lockerungsübungen, Wärme) gut ansprechen und sich allmählich spontan bessern.

Taubheitsgefühl, Missempfindungen: Fast unvermeidlich ist auch bei kleinen Hautschnitten und Ablösung von Weichteilen die Durchtrennung feiner Hautnervenäste. In der Folge kann für lange Zeit ein Taubheitsgefühl mit verminderter Schmerz- und Berührungsempfindung in der näheren Umgebung der Narbe entstehen, was jedoch kaum stört. Wesentlich seltener treten schmerzhafte Missempfindungen/gesteigerte Berührungs- und Schmerzempfindlichkeit im Narbenbereich auf. Wucherungen an Nervenenden können der Grund sein und erfordern evtl. eine operative Nachbehandlung.

Knochenhautentzündung: Reiben des Metalls an der Knochenhaut einer Rippe kann einige Wochen Schmerzen verursachen, bis das Metall von einer festen bindewebigen Hülle umgeben ist. Ähnliche Reizerscheinungen können bei nachträglicher Lockerung des Metalls (z.B. Ausbrechen aus dem Brustbein) auftreten. Auch die ausbleibende oder verzögerte Heilung durchtrennter Rippensegmente kann bei starker Beweglichkeit vereinzelt schmerzhafte Reizerscheinungen verursachen.

Haltbarkeit der Metallbügel? – Die dünnen, zur Stabilisierung der Brustwand verwendeten Metallbügel können im Laufe der Zeit ermüden oder infolge plötzlicher starker Belastung in äußerst seltenen Fällen brechen (Häufigkeit bei dem Erlanger Metallbügel 1–2 von Tausend). Bei der sehr kräftigen, starren Pectus Bar (MIRPE) sind keine Implantatbrüche bekannt.

Wie lange muss ich nach der Operation warten, bis ich wieder Sport treiben kann? – die Regel ist: 6 Wochen Pause für ungefährliche Sportarten (Laufen, Schwimmen), 3 Monate für Kontaktsport (Fußball, Handball, auch Skifahren);  vgl. Abschnitt „Physiotherapie“!

Wie sind die Erfolgsaussichten bei der Operation? – Rückfälle, d.h. ein erneutes Einsinken der Brustwand, lassen sich mit keiner Methode absolut sicher verhüten. Zu berücksichtigen sind individuelle Unterschiede und fehlende einheitliche Kriterien bei der Beurteilung; es gibt daher keine einheitliche Definition. – Die Einschätzung bei Arzt und Patient kann sich erheblich unterscheiden; wenige Untersucher führen Messungen (z.B. Trichterbrustindex nach Hümmer) durch. Fragen Sie den Arzt nach den speziellen Erfahrungen in seiner Klinik! – Das Rezidivrisiko ist (unabhängig von der Methode) erhöht nach inadäquater (d.h. zu früher, zu starker körperlicher Belastung; Folge z.B. Verlagerung/Ausbrechen des Metalls) und nach tiefen Wundheilungsstörungen mit der Notwendigkeit vorzeitiger Metallentfernung. – Die Rate korrekturbedürftiger Rezidive sollte nach 5 bis 10 Jahren (Voraussetzung ist die Erhebung von Langzeitergebnissen!) nicht über 3 Prozent liegen. Bei einigen Methoden wird in der Literatur von über 20 Prozent Rückfällen berichtet.

Sind Wiederholungseingriffe möglich? – Diese setzten eine sorgfältige Analyse der den Rückfall verursachenden Faktoren voraus. In der Regel kommen nur offene Verfahren in Betracht, da gerade bei Rückfällen nach der minimalivasiven Methode (MIRPE) massive Verklebungen eine erneute Brustkorbspiegelung verhindern. In der Mehrzahl der Fälle nicht ganz befriedigender Ergebnisse sind aber nur kleine Nachkorrekturen erforderlich, so z.B. die Abtragung von Rippenstufen oder die isolierte Rippenbogenkorrektur von winzigen Schnitten aus. – Eine größere Anzahl von Patienten mit schweren Problemen oder Rückfällen nach MIRPE oder Ravitch-Operationen wurden bereits mit der „minimalisierten Korrekturmethode“ (MEK nach Hümmer) erfolgreich nachoperiert.

Zahlt die Krankenversicherung die Behandlungskosten? – bei Nachweis einer sog. medizinischen Indikation (s. dort) ist sie dazu verpflichtet, bei Deformitäten mit entstellendem Charakter besteht ein gewisser  Ermessensspielraum, bei rein ästhetischen Korrekturen trägt sie der Patient selbst.