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Minimalisiertes Korrekturverfahren (MEK nach Hümmer)

Minimalisiertes Korrekturverfahren (MEK nach Hümmer)

Das minimalisierte Erlanger Korrekturverfahren (MEK), eine Weiterentwicklung des Sulamaa-Hegemann-Verfahrens ist eine offen-chirurgische Operationsmethode. Es eignet sich für nahezu alle Formen der Trichterbrust, der kombinierten Kiel-Trichterbrust und in entsprechender Modifikation auch für komplexe Brustwanddeformitäten. Mit einer Kraftmessung (Potentiometrie) wird während der Operation sichergestellt, dass die vorbereitenden Schritte der Brustwandhebung auch zu der gewünschen Reduktion der Rückstellkräfte führen. Dadurch kann die Mobilisierung der einzelnen Komponenten „dosiert“, d.h. nur mit den für die Spannungsreduktion wesentlichen Maßnahmen durchgeführt werden. Auch der Hautschnitt kann deutlich kleiner gewählt werden, als bei den herkömmlichen offenen Korrekturverfahren. Der Zugang erfolgt beim Mann in Längsrichtung über dem unteren Brustbeindrittel, bei der Frau quer in der Brustfalte. Unter dem Prinzip einer wissenschaftlich definierten Spannungsreduktion kann das Verfahren für alle Altersgruppen, insbesondere auch bei Erwachsenen eingesetzt werden.

Schema, Wunde nach MEK

transsternale Metallbügelposition bei der minimalisierten Trichterbrustkorrektur (Schema), Hautwunde unmittelbar nach der Operation

 

Zusammenfassung der einzelnen Operationsschritte

1. Hautschnitt über dem tiefsten Punkt des Trichters, längs beim Mann, quer in der Brustfalte bei der Frau.

2. Muskel-schonende Mobilisierung der Weichteile über dem Brustbein und den angrenzenden Rippenknorpeln.

3. temporäres Abtrennen des Schwertfortsatzes und Durchführung der der Potentiometrie (Kraft- bzw. Spannungsmessung) am unteren Brustbeinende. Dieser Ausgangswert dient zum Abgleich mit den weiteren Messungen nach den folgenden Schritten:

4. Durchtrennung der deformierten Rippenansätze ohne diese zu Kürzen, dabei temporäres Abtrennen von 2 bis 3 Rippenpaaren (5.–7. Rippe) dicht am Brustbein.

5. Gezielte Beseitigung der Brustbein-Rückstellkräfte mit Durchtrennung der vom unteren Brustbein nach innen ziehenden Bändern („retrosternale Dissektion“).

6. Bei erheblicher Krümmung des Brustbeins wird dieses quer gekerbt und anschließend ggf. mit einem zusätzlichen Längsbügel stabilisiert.

7. Anheben des Brustbeins und transversale Stabilisierung durch einen oder zwei dünne und elastische Stahl- oder Titanbügel („Erlanger Metallbügel“), die durch Biegeinstrumente der Brustwandform exakt angepasst werden. Der Metallbügel überkreuzt dabei sich abstützend die Rippenpaare 5 und 6 und kommt, gedeckt von der Brustmuskulatur, unmittelbar auf den seitlichen Rippenabschnitten zu liegen.

8. Fixierung der Metallbügel durch kräftige Nähte am Brustbeinrand und an den unterkreuzenden Rippensegmenten.

9. Hebung der restlichen Rippenknorpelsegmente, Herstellen kongruenter Schnittflächen aller Rippenansätze und Nahtfixierung am Brustbein.

10. Saugdrainage, die hinter dem Brustbein liegt und am oberen Nabelrand ausgeleitet wird.

11. Wiederanbringen des Schwertfortsatzes am unteren Brustbeinende und Sicherung aller Nähte durch eine Ringnaht im äußeren Wundbereich, unter Einbeziehung aller mobilisierter Rippenpaare und Metallbügel.

12. Nahtverschluss aller Brustwandschichten und Einlage zweier Wunddrainagen. Kosmetische Hautnaht und Folienverband. Elastokompressiver Stützverband für wenige Tage.

Die Entfernung der Metallbügel erfolgt üblicherweise nach einem Jahr (vgl. MIRPE nach 3 Jahren) über einen kleinen Hautstich an der seitlichen Brustwand. Dieser Eingriff kann für Nachkorrekturen (Narben, Knorpelvorsprünge) oder Zusatzeingriffe (Rippenbogenkorrekturen, Brustimplantate) genutzt werden.