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Therapiemöglichkeiten: Welche Behandlung ist sinnvoll?

Therapiemöglichkeiten: Welche Behandlung ist sinnvoll?

Entscheidungsbasis

Die medizinische Indikation stützt sich in erster Linie auf die typischen körperlichen Beschwerden im Bereich der vorderen Brustwand, ferner auf die Fehlbelastung der Wirbelsäule und auf nachweisbare Funktionsstörungen des Herzens und der Lunge. Hierzu können Untersuchungen bei einem Internisten, Kardiologen, Lungenfacharzt, Sportmediziner oder Orthopäden sinnvoll sein. Diese dienen auch dem Ausschluss von Begleiterkrankungen, die das Operationsrisiko erhöhen und evtl. von der Operation abraten lassen.

Unabhängig von internistischen Befunden muss der Operateur den Schweregrad der Deformierung berücksichtigen; die Operation ist nur sinnvoll, wenn hierdurch eine wesentliche Besserung der Beschwerden absehbar ist. Bei weniger schwerwiegenden Deformitäten, aber auch in Grenzfällen und bei körperlicher Beschwerdefreiheit empfehlen wir allgemeines Fitnesstraining sowie gezieltes, physiotherapeutisch angeleitetes Aufbautraining der Rumpfmuskultuer. Dieses sollte, kombiniert mit einer Haltungsschulung, einem typischerweise bestehenden und fortschreitenden Rundrücken entgegenwirken. Viele dieser Trainingskomponenten sind im Schwimmtraining enthalten, daher empfehlen wir dieses ausdrücklich. Eine konsequente Saugglocken-Behandlung kann zusätzlich eingesetzt werden, um die Operation in leichteren Fällen zu vermeiden oder auch um zu helfen, diese vorzubereiten.

Die Entscheidung für oder gegen eine Trichterbrustkorrektur kann nicht ausschließlich aufgrund des Nachweises oder Fehlens „objektiver“ Funktionsstörungen des Herzens oder der Lungen erfolgen. Die körperliche Untersuchung und ein ausführliches persönliches Gespräch sind für die individuelle Beurteilung von größter Bedeutung. Auch seelischer Leidensdruck muss in die Entscheidungsfindung mit eingehen.

Eine Heilbehandlung kann nur dann erfolgen, wenn eine erkennbare Gesundheitsstörung vorliegt. Die sog. kosmetische Indikation und ein ausschließlich subjektiver bzw. kosmetisch motivierter Operationswunsch werden von deutschen Krankenversicherungen nicht anerkannt, die Behandlungskosten zumeist nicht übernommen, von Extremfällen entstellender Deformierungen abgesehen. Eine Mitbeurteilung des Krankheitswertes durch erfahrene Psychosomatiker oder Psychiater kann in speziellen Konstellationen hilfreich sein.

In welchem Alter sollte eine Operation erfolgen?

Kinder und Jugendliche sind auch bei ausgeprägter Deformierung meist noch beschwerdefrei. Auch der seelische Leidensdruck infolge einer Deformierung beginnt zumeist erst ab dem 12. bis 15. Lebensjahr. Daher besteht vor der Pubertät selten die Notwendigkeit zur Behandlung, eher sollten zunächst die nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden. Auch sollten Jugendliche alt genug sein, um die Maßnahmen verstehen, die Behandlung und ihre Folgen selbst einschätzen und bei der Therapieentscheidung maßgeblich mitwirken zu können. Wir werden sie zu einem Eingriff niemals überreden oder diesen gar gegen ihren Willen durchführen. Im Kindesalter ist die operative Behandlung einer Trichterbrust ohnehin nur in Ausnahmefällen indiziert. Wenn jemand das Gegenteil behauptet, verweisen Sie ihn bitte an uns. Wir beraten Sie gerne.